Reine Rassehunde etwa im heutigen Sinne waren damals nur vereinzelt
vorhanden. Mit der hierfür aufgezählten Mischung von Hunden soll Dobermann in
den 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts gezüchtet haben. Er erhielt dadurch
"seine Rasse", d.h. Gebrauchshunde, die nicht allein wachsam, sondern
auch "mannfeste Hof- und Haushunde" waren. Sie wurden viel als Hüte- und
Polizeihunde eingesetzt. Die zahlreiche Verwendung im Polizeidienst führte
damals zu dem Beinamen "Gendarmenhunde".
Bei der Jagd wurden sie überwiegend zur Bekämpfung des Raubwildes eingesetzt.
Die hier geschilderte Abstammung erklärt Göller als Überlieferung jener ersten
"inoffiziellen Züchter aus dem Apoldaer Raum".
Otto Göller selbst will die Abstammung des Dobermanns mehr auf die Vorfahren
des deutschen Schäferhundes, kurzhaariger Jagdhunde, deutscher glatthaariger
Pinscher und blauer Doggen zurückführen.
Dr Dorn, der bekannte Autor des Standardwerkes "Hund und Umwelt,
aufgezeigt am Dobermann" widerspricht Göllers These mit der Einkreuzung von
Doggenblut.
Seinen Widerspruch begründet Dorn mit Größenunterschieden zwischen den beiden
Rassen. Auch die Blaufärbung des Haarkleides, die wir überwiegend nur bei Doggen
und in geringer Zahl bei unseren Dobermännern finden läßt er nicht als Indiz
gelten.
Dorn kommt vielmehr auf Grund seiner Studien und letztlich auch der
Überlieferungen jener "Apoldaer Frühzüchter" - wie von Göller eingangs
erwähnt - zu dem Schluß, daß die sogenannten "Fleischerhunde" die
bedeutenden Rolle bei der Bildung der Dobermannrasse spielten. Dorn sieht diese
Hunde unter den damaligen Verhältnissen schon als eine relativ durchgezüchtete
Rasse an.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die ausdrückliche Aussage von
Göller, daß bis zur Jahrhundertwende die immer wieder vermutete Einkreuzung des
Black and Tan Terriers nicht stattgefunden hat. Er begründet dies mit der
Aussage, daß jene englische Rasse erst Ende der Neunziger Jahre im Apoldaer Raum
bekannt wurde. Da man in der Hundzucht erst relativ spät erkannte, daß für eine
planvolle Zucht, für eine Verbesserung der Zuchtprodukte und für eine nach
bestimmten Gesichtpunkten ausgerichtete Auswahl der Zuchttiere sehr zweckmäßig
ist, Aufzeichnungen, Sammlungen usw. zu führen, wir die Frühzeit der
Dobermannzucht immer etwas im Dunkeln bleiben.
Mit der Einführung der Hundestammbücher nach biologischen Grundsätzen wurde
in Deutschland erst um die Jahrhundertwende begonnen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Friedrich Louis Dobermann das
Verdienst zukommt, als erster Züchter die nach ihm benannten Hund als eine
eigenständige Rasse begründet zu haben.
Dem hier zitierten Otto Göller verdanken wir nicht nur die
Geschichtsschreibung über die Anfänge der Dobermannzucht; ihm gebührt auch der
Dank, daß er durch seine Rührigkeit in der Zucht mit seinem Zwinger "von
Thüringen" und sein Wirken in Wort und Schrift zum eigentlichen Wegbereiter
des Dobermanns wurde.
Schließlich war er es auch, der am 27. August 1899 den ersten
Dobermann-Klub mit Sitz in Apolda gründete. Stellvertretend für alle weiteren
Züchter die nach dem Tode von F.L. Dobermann die Hunde aus Apolda ebenso
zielbewußt weiterzüchteten nennt man Goswin Tischler mit seinem Zwinger
"von Grönland" und Gustav Krumbholz mit seinem Zwinger "von
Ilm-.Athen".
Goswin Tischler kommt darüber hinaus noch das Verdienst zu, im Jahre 1895 die
Anerkennung der Dobermann-Rasse in Deutschland durchgesetzt zu haben. Die Rasse
Dobermann wurde laut Göller erstmals auf Ausstellungen ab dem Jahr 1898 gezeigt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der Name "Dobermannpinscher"
erst mit der Gründung des Apoldaer Vereins genannt wurde. Vorher hieß unser Hund
wie auch heute wieder "Dobermann".
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